Abnehmen mit dem Fettverbrennungspuls – Abrechnung mit einem hartnäckigen Märchen

Es hält sich noch immer hartnäckig, das Märchen vom Fettverbrennungspuls. Danach soll die Herzfrequenz zwischen 110 und 130 Schlägen pro Minute liegen und eine optimale Fettverbrennung für die Gewichtsreduktion garantieren. Das Konzept ist auf so vielen Ebenen falsch, dass ich gar nicht so recht weiss, wo ich anfangen soll… Lass uns Schritt für Schritt mit den Märchen aufräumen und herausfinden was dir wirklich hilft, um mit Sport Gewicht zu verlieren.

Der erste grobe Fehler ist schon mal eine konkrete Herzfrequenz für alle anzugeben! Gute Empfehlungen erfolgen immer anhand der gemessenen maximalen Herzfrequenz. Also aufgrund dessen was ein Sportler maximal erreichen kann. Und da ist der Unterschied zwischen verschiedenen Personen riesig!

Meine maximale Herzfrequenz liegt bei 204 Schlägen pro Minute (bpm), die eines gleichaltrigen Kollegen (etwa gleich fit, gross und schwer) bei 168 bpm. Mein Taschenrechner sagt, dass dazwischen 36 Schläge Differenz liegen. Es wäre doch total sinnbefreit, wenn wir beide anhand derselben Herzfrequenz-Angaben trainieren würden?!

Kann ich zum Beispiel bei 110-130 bpm joggen???

Um ehrlich zu sein, bin ich nicht so der Läufertyp. Und wenn ich mich an die 110-130 bpm halten würde, könnte ich gar nicht joggen. Dies hat einen einfachen Grund:

Wenn ich mit dem Joggen beginne schiesst meine Herzfrequenz sofort auf 150 und höher. Und dabei fühlt es sich völlig locker an!? Wenn ich versuche meine Herzfrequenz auf 110-130 zu senken, dann muss ich ins „Gehen“ wechseln und du weisst vielleicht von den Olympischen Spielen, wie komisch das aussieht. Also eignet sich Jogging gar nicht, um Gewicht zu verlieren? Quatsch! Das Gegenteil ist richtig! Aber dazu später mehr.

Ist die Empfehlung „60-70% der maximalen HF“ besser?

Eigentlich nicht! Denn hier sind wir beim zweiten groben Fehler der Empfehlung. Es wird uns vorgegaukelt, dass wir mit der Herzfrequenz steuern können, ob unser Körper effektiv unsere Fettpölsterchen verschwinden lässt. Und DAS gehört nun wirklich ins Reich der Märchen! Im Prinzip wird hier der Stoffwechselvorgang der Fettverbrennung mit Gewichtsreduktion verwechselt. Ob du deine Fettpölsterchen reduzieren kannst hängt nämlich von weiteren Faktoren ab, die teilweise einen viel grösseren Einfluss haben als der Sport selbst. Stichwort Ernährung, aber das ist ein Thema für einen eigenen Blogbeitrag…oder ein Buch…oder besser eine Enzyklopädie.

Es ist so viel einfacher, als du dachtest!

Es ist im Grunde so einfach. Du nimmst ab, wenn du mehr Kalorien verbrennst, als du zu dir nimmst, Punkt! Mit Sport beeinflusst du die „Ausgabeseite“, also wie viele Kalorien du verbrennst. Und obwohl der Körper unterschiedliche Energiereserven (u.a. auch Fett) hat, ist es zunächst völlig egal woher die Kalorien kommen.

Kalorien pro Zeiteinheit ist der Schlüssel

Für die meisten von uns ist die Zeit, die wir für Sport einsetzen können oder wollen knapp. Deshalb sollte es ein Ziel sein in wenig Trainingszeit viele Kalorien zu verbrennen. Es ist sicherlich einfach vorstellbar, dass du viel mehr Kalorien verbrennst, wenn du 20 Minuten angestrengt joggst, im Vergleich zu 20 Minuten spazieren. Wenn du nun noch berücksichtigst, was ich in einem vorangegangenen Blogbeitrag Thomas empfohlen habe, machst du schon sehr vieles richtig.

Vergiss nun alles, was ich zuvor geschrieben habe!

Ich finde es ja auch spannend über die physiologischen Zusammenhänge nachzudenken – und wir kratzen hier erst an der Oberfläche. Aber wenn du mit Sport Gewicht verlieren möchtest, ist das allermeiste darüber total unnützes Wissen. Denn wenn wir ehrlich sind besteht die Herausforderung nicht darin, eine einzelne Trainingseinheit möglichst optimal in Bezug auf den Fettabbau zu gestalten. Das schwierigste ist ein regelmässiges Training über einen langen Zeitraum aufrecht zu erhalten. Denn Gewichtsreduktion und -kontrolle ist ein langfristiger Prozess!

Deshalb ist das einzige was dir hilft mit Sport Gewicht zu verlieren den Spass beim Training zu fördern.

Wenn du dich also fragst ob eine Pulsuhr dir helfen kann abzunehmen, dann stell dir die Frage, ob es dir mehr Spass machen würde damit zu trainieren. Falls ja, dann hilft sie dir abzunehmen! Ein neues Sportoutfit kann dir aber genauso helfen, denn vielleicht hilft es dir mit mehr Freude Sport zu treiben und den „inneren Schweinehund“ zu überwinden. Vielleicht ist es aber auch eine neue Sportart oder eine neue Trainingsgruppe. Der einzige Weg herauszufinden, wie das mit dem Spass bei dir funktioniert, ist viel auszuprobieren!

Wie wir dir dabei helfen möchten!

Wir arbeiten unter Hochdruck daran dieses „Ausprobieren“ für dich möglichst einfach zu machen. Mit SPORTLOOP schaffen wir eine Onlineplattform, auf der du begleitete Sportangebote in deiner Umgebung einfach finden, buchen und bezahlen kannst. Damit das für dich funktioniert, brauchen wir möglichst viele Sportanbieter – und noch etwas Zeit. Wenn du einen tollen Sportanbieter kennst, leite ihn doch mal auf unsere Homepage und erzähle ihm von unserer Idee!

 

Von |2017-03-24T15:24:37+00:0022. September 2016|Allgemein, Sportwissenschaft|

Über den Autor:

Mein Name ist Dominique Ernst und ich arbeite als Produktmanager bei SPORLOOP. Ich bin Sportwissenschaftler und Marketingmanager und habe früher nebenberuflich als Fotograf gearbeitet. Ich freue mich in diesem Blog meine Erfahrungen und mein Wissen aus den unterschiedlichen Bereichen weiterzugeben. Ich hoffe meine Beiträge helfen dir weiter!

2 Comments

  1. Martina 13. November 2016 um 12:26 Uhr - Antworten

    Toller Artikel!
    meine Schwester hat das gleiche Problem. Um den richtigen Grenzpuls zu finden, hilft nur eine Laktatmessung unter Belastung. Die wird oftmals günstig in Fitness- Studios – als Sonderangebot zum Kundenfang – angeboten.

  2. Dominique Ernst 5. Dezember 2016 um 8:48 Uhr - Antworten

    Hallo Martina

    Vielen Dank für deine Antwort!
    Von einer Laktatmessung profitierst du vor allem, wenn du dich sportlich verbessern möchtest. Zur Gewichtsreduktion ist dies nicht nötig, bzw. bringt dir kaum einen Vorteil.

    Eine Laktatmessung macht überdies nur Sinn in Form eines Stufentests. Falls du wirklich eine Laktatdiagnostik durchführen lassen möchtest, empfehle ich dir dafür ein „Swiss Olympic Medical Center“. Diese haben verbindliche Standards zur Durchführung und Interprätation dieser Leistungsdiagnostischen Tests und gut ausgebildete Testleiter.

    Sportliche Grüsse

    Dominqiue

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